Die Pflege liegt am Boden – auch wenn es regnet!

Nein zum Pflegenotstand

Nein zum Pflegenotstand

Die Pflege liegt am Boden – auch wenn es regnet! Für eine menschenwürdige Pflege.

Insgesamt 64 Teilnehmer bei zwei Flashmobs am 8.2. zu „Die Pflege liegt am Boden“ in Heidelberg

Die ersten Teilnehmer, die sich in Heidelberg 20 Minuten vor Beginn des Flashmobs „Die Pflege liegt am Boden“  am Zeitungsleserdenkmal, am Beginn der Fußgängerzone versammelt hatten,  waren schon gespannt, wie viele sich diesmal zum 3. Heidelberger Pflege-Flashmob einfinden würden. Noch kurz vor Beginn der Veranstaltung war kaum einer zu sehen. Doch eine Beteiligte beruhigte die Anwesenden. „Keine Angst, die kommen noch“. Und tatsächlich, fünf vor zwölf lagen 43 Teilnehmer  am Boden: Krankenschwestern, Altenpfleger, Pflegeschüler, Lehrer für Pflegeberufe, betroffene Angehörige, Führungskräfte aus dem Pflegebereich und Sympathisanten. Sie alle hatten sich eingefunden und niedergelegt, um gemeinsam für die Anliegen der Pflege symbolisch 10 Minuten auf dem Boden zu liegen.

Obwohl es in der Vergangenheit immer wieder hieß: „Pflegekräfte gehen nicht auf die Straße. Sie sind für die Pflegebedürftigen da und kämpfen nicht für sich selbst“, scheint sich dies mit den seit Oktober 2013 bundesweit stattfindenden  „Pflege am Boden – Flashmobs“  langsam zu ändern. Es war bundesweit der  5. Flashmob, der an diesem Tag  in mehr als 70 Städten Deutschlands stattfand und der auch zukünftig immer am zweiten Samstag im Monat geplant ist. Waren es vor 5 Monaten nur vereinzelte Mutige, die sich in den kleinen und größeren Städten an zentralen Orten auf den Boden legten, werden es mittlerweile immer mehr, die für den eigenen  Berufsstand eintreten wollen, etwas verändern möchten und sich symbolisch mit auf den Boden legen, um die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. Es ist ein stiller Appell an die Politik, endlich tätig zu werden. „Wir wollen Taten sehen!“ stand deshalb auf einem der vielen mitgebrachten Plakate.

Die Personalknappheit sehen viele Teilnehmer der Flashmobs als eines der größten Probleme an. „Wir können nicht vernünftig pflegen, wenn bald keiner mehr da ist, der pflegt“, „ Wir können uns nicht zerreißen“. „Wer auf der Strecke bleibt, sind die Pflegebedürftigen und letztendlich auch wir“, so einige Teilnehmer. Die Personalknappheit führt zu massivem Zeitdruck, zu teilweise unmenschlichen und familienfeindlichen Arbeitszeiten, hohen Krankheitsraten, einem daraus resultierendem ständigem Einspringen und kaum planbarer Freizeit für das Pflegepersonal. Auf den Plakaten fand man deshalb Sprüche wie: „Wir können nicht mehr“,  „Wer pflegt uns?“  oder  „ Nein zum Pflegenotstand“.

Im Jahr 2030 werden in deutschen Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten voraussichtlich 500 000 Pflegekräfte fehlen. Dabei gab und gibt es, viele gut ausgebildete Pflegekräfte, die der Pflege und damit auch der Gesellschaft verloren gegangen sind. Viele Auszubildende hören kurz nachdem sie ihren Abschluss in der Tasche haben wieder auf.  Sie kehren einem Beruf, in dem Ihnen ein Arbeitsplatz nahezu garantiert ist, den Rücken zu. Wie kann das möglich sein? Wie können wir uns das leisten?

In Heidelberg fand am Samstagnachmittag ein zweiter Fashmob statt. Um 16.00 Uhr – vor Einbruch der Dunkelheit, trafen sich weitere 21 Pflegeaktivisten, um ihrem Unmut auf friedliche Weise Ausdruck zu verleihen. Es regnete inzwischen, doch das hielt niemanden ab, sich für 10 Minuten auf den Boden zu legen.

Die Reaktion der Passanten war überwiegend positiv. Viele interessierten sich für die Anliegen der am Boden Liegenden. Einige berichteten von eigenen Erfahrungen mit pflegbedürftigen Angehörigen. Viel Trauer und Leid war teilweise aus nur wenigen Sätzen zu hören. Es handelt sich hierbei letztendlich um Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, die in einer hilflosen Situation zum Teil nicht mehr adäquat versorgt werden können – in einem der reichsten Länder der Welt.

FlashmobFebruar

Die nächste bundesweiten Flashmobs finden am 8.3. 2014 statt.

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